Solidarität mit den Jugendprotesten

Ausgehend von Schüler:innen-Protesten in Arbeitervierteln Frankreichs, denen sich Lehrpersonen, Eltern und Gewerkschaften rasch angeschlossen haben, sind im Herbst 2026 in vielen Ländern Europas grosse Protestbewegungen entstanden. Sie richten sich gegen staatliche Bildungs-, Sozial- und Klimapolitik sowie gegen eine panische, paneuropäische Aufrüstungs- und Militarisierungskampagne.

Die mediale Berichterstattung über ihre Protestaktionen hat sich darauf beschränkt, die bunte Bewegung als chaotischen Mob zu inszenieren, der zu Gewalt und Zerstörung neige und von linksextremen Gruppierungen unterwandert und aufgeheizt werde. Die effektiven Forderungen der Protestierenden und deren Berechtigung wurden ausgeblendet.[1]

Auch wenn das Profil der Bewegung von Gruppe zu Gruppe und Land zu Land leicht variiert, besteht in folgenden Punkten eine klare Übereinstimmung in ihren Forderungen:[2]

>>> Schluss mit Aufrüstung und Sparpaketen!

>>> Keine Mitwirkung in imperialistischen Angriffen!

>>> Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit!

>>> Für eine gleichberechtigte Gesellschaft!


Die FAU Biel-Bienne unterstützt die Forderungen der Jugendprotestbewegung vollumfänglich und vorbehaltlos. Um den sich immer klarer abzeichnenden ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kollaps zu verhindern, sind sie unumgänglich. Tatsächlich setzen wir uns als Freie Arbeiter*innen Union seit 100 Jahren für genau diese Ziele ein. Darum freuen wir uns, dass die Jugend von heute und immer breitere Teile der Bevölkerung ihre absolute Dringlichkeit jetzt (an-)erkennen.

Oberflächlich betrachtet verfolgen die Jugendlichen mit ihren inhaltlichen Forderungen ganz unterschiedliche Anliegen; In ihrem Kern verbindet sie aber ein gemeinsames politisches Ziel: Widerstrand gegen die menschenverachtende Logik von Herrschaft und Kapital.

Wenn Menschen kollektive Verelendung, systematische Entwürdigung und die blinde Zerstörung ihrer Zukunft droht, dann ist es das fundamentale Recht aller Menschen, sich dagegen zu wehren – unter Umständen sogar ihre Pflicht.


Dass der Staat in seiner ursprünglichen Form als Herrschaftsinstrument der Reichen und in seiner gegenwärtigen Verfassung als Vorarbeiter des Kapitals diesem Versuch nur mit nackter Gewalt und Kriminalisierung begegnen kann, ist ebenso schändlich und jämmerlich wie logisch. Dass grösstenteils friedliche Solidaritätskundgebungen und demokratische Protestaktionen aber dazu missbraucht werden, den ständigen Ausbau einer digital invasiven Überwachungs- und Unterdrückungsmaschinerie voranzutreiben, die längst totalitäre Züge angenommen hat, können wir nicht hinnehmen![3]

Die eigene Haltung zur Frage der Legitimation von Gewalt und Gegengewalt im gegebenen Kontext muss sich jeder Zeitgenosse und jede Zeitgenossin selbst gut überlegen und für sich entscheiden. Zur Inspiration ein Zitat des Befreiungstheologen Dom Helder Câmara, Erzbischof von Olinda und Recife (Brasilien):

Es gibt drei Arten von Gewalt. Die Erste, Mutter aller anderen, ist die
institutionelle Gewalt, welche Herrschaft, Unterdrückung und
Ausbeutung legalisiert und perpetuiert und Millionen von Menschen
zwischen ihren lautlosen, gut geölten Rädern zermalmt.
Die Zweite ist die revolutionäre Gewalt, geboren aus dem Willen, die
Erste abzuschaffen.
Die Dritte ist repressive Gewalt, deren Ziel es ist, die Zweite zu ersticken, indem sie sich zur Gehilfin und Komplizin der Ersten Gewalt macht, die alle anderen erzeugt.
Es gibt keine schlimmere Heuchelei, als nur die Zweite Gewalt als
solche zu bezeichnen, und so zu tun, als vergesse man die Erste, die
sie gebiert, und die Dritte, die sie tötet.

In diesem Sinne solidarisieren wir uns mit der Jugendbewegung in Frankreich und überall auf der Welt, lehnen den Versuch der Regierenden und der Medien ab, die Bewegung zu diffamieren, zu spalten, unterdrücken oder zu missbrauchen, und rufen alle Menschen zum Protest dagegen auf, dass die Jugend und Arbeiterschaft hinhalten müssen für den Kriegswahn und die Profitgier der Alten und der Reichen!


[1]Löbliche Ausnahmen bilden u.a. die WoZ (vgl. u.a. https://www.woz.ch/2641/aufstand-der-schuelerinnen/leg-dich-zwischen-die-autos-bebe/!WGX954DW6SSS), der Inforsperber (u.a. https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-sind-die-forderungen-der-hunderttausenden-studenten/) und die Republik (u.a. https://www.republik.ch/2026/10/24/binswanger-frankreichs-kampf-um-zukunft)

[2]Für detailliertere Ausführungen zu den Forderungen s. https://jugendstreik.ch/aufruf/

[3]Einen schlagenden Beweis für diese Entwicklung sahen wir im Nachgang zur Palästina-Kundgebung vom Oktober 2025 im grossrätlichen Versuch des Kantons Bern zur Kriminalisierung der Antifa und im bundesparlamentarischen Willen zur Überwälzung der Einsatzkosten von Gewaltorganen zur Aufrechterhaltung von sogenanntem “Recht und Ordnung“ auf die Organisierenden von Demonstrationen. Für detaillierte Ausführungen s. z.B. https://daslamm.ch/die-schweiz-wird-autoritaerer-die-sp-macht-mit/